Talk, Talk, Talk ...

von Harald Hoos (Kommentare: 5)

Tagtäglich beharken sich Politiker und Experten in Talkshows zum Thema Flüchtlingskrise. Von Diskussions- und Streitkultur ist so gut wie nichts mehr zu spüren. Ohne nur den Ansatz eines Konzepts zu haben, weiss es jeder besser als der andere und signalisiert diesen Umstand durch gegenseitig-ins-Wort-fallen. Bei mir macht sich immer mehr der Eindruck breit, wir sitzen in Deutschland auf einer Insel der Idiotie mitten in Europa. Unsere Nachbarn zeigen Lösungsansätze – ob die Maßnahmen der richtige Weg sind und Wirkung zeigen sei erst mal dahingestellt. Egal, unsere Nachbarn tun etwas, während in Deutschland wirrste Diskussionen darüber geführt werden, was alles nicht geht und nicht sein darf.

Um solche illustren Diskussionsrunden die richtige Würze zu geben, wird oft ein Vertreter der AfD dazugepflanzt. Damit ist gewährleistet, dass mindestens Dreiviertel der Sendezeit dabei drauf geht, ohne Sinn und Verstand übereinander herzufallen. Experten und Politiker der großen Volksparteien versuchen dem Stimmvolk klarzumachen, wie schlimm die vermeintlichen Rechtspopulisten sind, übertreffen sich gegenseitig damit, Zettelchen aus der Jackentasche zu ziehen, auf denen irgendwelche Zitate der bösen Rechten stehen. Dass die wandelnden Zettelkästen sich dabei total zum Affen machen merken sie leider – oder gottseidank? – nicht. Wäre es nicht so traurig und von großer Tragweite, das Ganze könnte als eine putzige Kommödie gesehen werden!

Die Talkmaster, Maischberger, Illner, Will, Lanz und wie sie alle heißen, versuchen dann immer wieder mal verzweifelt im Rahmen ihrer Möglichkeiten Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen – erfolglos. Artig bedankt sich dann nach einer Stunde oder mehr der Talkmaster oder die Talkmasterin für die angeregte Diskussion und vorbei ist der nächste Akt einer Schmierenkommödie.

Und wem hat dann das Ganze genutzt? In jedem Fall der AfD, denn eine bessere Wahlkampfhilfe gibt es nicht! Diese junge Partei ist in der komfortablen Situation, dass sie sich eigentlich jeden Cent für einen Wahlkampf sparen kann, denn das machen die Anderen für sie aus deren Tasche.

Eine Lösung für die akuten Probleme des Landes hat die Alternative für Deutschland auch nicht. Aber eines hat die Partei geschafft: sie zeigt auf, wie es um das Demokratieverständnis z.B. unserer SPD gestellt ist. Ich behaupte, die demokratiefernste Partei ist zur Zeit die SPD. Malu Dreyer hat mir ihrer Absage zur Wahlkampfrunde im SWR dem Ganzen nur noch das Sahnehäubchen aufgesetzt. Der Zerfall begann schon viel früher, z.B. bei der letzten Bundestagswahl. Machtgeil hat die SPD um die Große Koalition geschachert und dabei vollkommen auser Acht gelassen, dass ein wesentliches Unterscheidungskriterium zwischen einer Demokratie und einer Diktatur das Vorhandensein einer funktionierenden Opposition ist. Durch die GroKo ist nun ein armseliges Häufchen linker und grüner Oppositioneller im Bundestag geblieben. Auftritte von Hofreiter, Göring-Eckardt und anderen auf den Oppositionsstühlen haben oftmals lediglich das Potential, dem Begriff Fremdschämen eine neue Dimension zu geben. Mit der jetzigen 17-Prozent-Opposition ist schon rein nach den Statuten der Geschäftsordnung des Bundestages der Bereich der vollumfänglichen Handlungsfähigkeit verlassen. 20 Prozent wären dazu nötig. Und die GroKo, in Person von Merkel und Gabriel – Seehofer darf ab und zu auch was sagen –, findet regelmäßig triumphierend auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zusammen und verstreut dabei ihren hinlänglich bekannten weltfremden Optimismus.

Man kann Merkel vorwerfen was man will, aber diese Misere hat uns die SPD eingebrockt!

Und jetzt – ohwei-ohwei – zieht eine wirkliche Opposition am Horizont der Parlamente auf, die AfD. Demokratie muss wieder gelebt werden. Panik nicht nur in den Gesichtern der Politiker. Schützenhilfe in Talkshows und anderen Medien leisten „große“ Journalisten wie z.B. Jakob Augstein. Mit verzerrtem Gesicht, einer Mimik, die Ekel signalisiert wenn ein Nicht-Regierungstreuer spricht, tingelt er durch Talkrunden. An Peinlichkeit kaum zu übertreffen. Meist souverän zeigen sich hingegen die Neupolitiker in den Runden. Selbst wenn diese wie z.B. Höcke bei Jauch mit seiner Deutschlandflagge über die Stänge schlagen, hat dies noch einen gewissen Charme. Nicht die Aktion des Provokateurs, sondern die Reaktionen der übrigen Protagonisten sind dann das Interessante.

Die Betrachtung, welche Strukturen und Persönlichkeiten z.B. hinter AfD und ALFA stecken, verschiebe ich auf einen späteren Zeitpunkt. Bis zum großen Wahlsonntag am 13. März ist ja noch ein bischen Zeit.

Mich würde z.B. einmal eine sachliche Diskussion um die Frage: „Wer ‚flüchtet’ eigentlich nach Deutschland?“ interessieren. Aber mir fehlt jede Hoffnung, eine solche Diskussion erleben zu dürfen ...

Für mich steht hierzu außer Frage: Personen, die in einem Kriegsgebiet an Leib und Leben bedroht sind, muss Hilfe und Asyl gewährt werden! Doch glaube ich kaum, dass eine Person, eine Familie oder andere Personengruppe, auf die dieses Kriterium zutrifft, hierher kommt und – einmal ganz direkt gesagt – die Sau rauslässt! Begrapschen von Frauen, in Schwimmbecken unrinieren und onanieren und was es sonst noch so an belegten Absonderlichkeiten und Widerwärtigkeiten gibt, gehören wohl weniger zu einer Dankeskultur. Ich bin davon überzeugt, es gibt viele, die sich ganz unaufgeregt integrieren möchten. Und nein: Ich verwechsle „Integration“ nicht mir „Assimilation“. Im Zuge von gelungener Integration kann jede Gesellschaft Bereicherung erfahren. Nur Bereicherung lässt sich nicht anordnen und schon gar nicht mit den falschen Personen erreichen.

Auch glaube ich kaum, dass sich ein wirklich verfolgter und bedrohter Flüchtige einer Registrierung entzieht oder sich mit X Idenditäten durch verschiedene Länder bewegt.

Kritiklos und ohne jeden Plan die Grenzen eines Landes allen offenzuhalten und jeden einströmen zu lassen, ist eine Dimension von Dummheit, die vielen inzwischen unerträglich ist. Mit Humanität und einer „Willkommenskultur“ hat solch ein Verhalten nichts zu tun. Im Gegenteil: Letztendlich ist dieses Verhalten den zu Recht Schutzsuchenden gegenüber ein brutaler Schlag vor den Bug. Denn oft sind es auch diese Personen, die Opfer des übrigen Mob werden. Diese Schutzsuchenden leiden ebenfalls unter den schlechter werdenden humanitären Bedingungen, die durch Massen solcher, die kein Schutzrecht haben, die wir aber nicht mehr außer Land bekommen werden, hervorrufen. Darüber sollten sich Politiker und andere Entscheidungsträger, aber vor allem auch die stupiden Bahnhofsklatscher einmal klar werden.

Nicht der Flüchtlingsstrom an sich wirft Deutschland in eine Krise, sondern das Versagen unserer deutschen Administration!

Sinnvolles und zielorientiertes Handeln – viele unserer Nachbarn leben es uns vor – würde uns gut stehen und sicher auch wieder die Gemüter beruhigen. Eine enthusiastische und schon fast extatische Willkommenskultur kann nur in einer Katastrophe enden!

Ok. Spätestens mit diesem Beitrag gehöre ich jetzt für viele auch zu den deutschen Schwarz-Sehern, bin wohl einer, den die Krankheit „German Angst“ befallen hat. Das macht mir aber nichts aus. Sorge hätte ich nur dann, wenn ich merken würde, dass ich das Denken eingestellt habe. Aber kann man das selbst feststellen? Eine philosophische Frage, geeignet für eine Talkrunde? Vielleicht wäre eine illustre Runde bei Maybritt Illner mit dem Titel „Kann ich selbst merken, dass ich nicht mehr denke“ adäquat. Gäste: Richard David Precht, Jakob Augstein, Claudia Roth plus noch jeweils ein Vertreter aus Kirchenkreisen und der Psychologie. Ein reizender Gedanke.

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Kommentar von Maria Sommer |

"Wenn man nicht einmal dafür sorgen kann, daß die Leute, die bereits hier sind, anständig versorgt werden, macht es wenig Sinnn, ständig neue Leute ins Land zu lassen." Zitat von Jan Fleischhauer, Spiegel vom 23.01.2016, Seite 21, Mitte unten.
Finde ich irgendwie logisch.

Kommentar von Wolfgang Weuster |

Eine philosophische Talkrunde wird vermutlich scheitern:

Kein Philosoph würde sich freiwillig einer Talkrunde unter Leitung von Illner, Lanz, Maischberger, Will & Co aussetzen.
Das Theme „Kann ich selbst merken, dass ich nicht mehr denke“ würde mangels Denkfähigkeit von der Masse nicht verstanden.
Die zu erwartende Zuschauerquote dürfte also kaum noch messbar sein.

Kommentar von Harald Hoos |

... darum habe ich ja Richard David Precht vorgeschlagen, der hat ja in den Talkshows wohl schon ein Sessel, der auf seine Körperform angepasst ist ...

Kommentar von Wolfgang Weuster |

Sprachen wir nicht von philosophischen Fragen?
Was hat Herr Precht damit zu tun?
Den Sesseltip hat der "Philosoph" vermutlich von der alten Studiodeko Bosbach bekommen.
Die Gäste der Talkrunden sind wahrscheinlich nicht real. Vielleicht wurden sie speziell für die Talkrunden hergestellt und verbringen ihre Existenz ausschließlich in Deko-Lagerräumen, aus denen sie immer wieder hervorgeholt werden, wenn die Scheinwerfer beginnen die nächste Talkrunde ausleuchten.

Kommentar von Harald Hoos |

Interessante Theorie!
Doch ich befürchte, Claudia Roth ist echt!
Durchaus könnte man anhand Roths Existenz den Versuch eines Gottesbeweises führen: Kann die Evolution so ein Wesen hervorbringen oder bedarf es dazu eines (zynischen) Schöpfers?