Merkels Kniefall

von Harald Hoos (Kommentare: 1)

Jetzt haben wir zwei bedeutende Kniefälle in der deutschen Geschichte; 1970 Willy Brandts Kniefall am Ehrenmal in Warschau, jetzt Merkels Kniefall vor dem türkischen Despoten Erdogan in der Causa Jan Böhmermann. Wenn auch Merkels Kniefall nur symbolisch ist, weniger bedeutungsvoll ist er nicht. Brandt zeigte angemessene und wahre Demut, Merkel leistete einen Offenbarungseid. Die Bundeskanzlerin hat unsere Grundwerte verraten mit mutmaßlich weitreichenden Konsequenzen. Brandt hat sich nach seinem Kniefall erhoben und hat letztendlich an Größe gewonnen, konnte aufrecht vom Platz gehen. Merkel bleibt auf den Knien, ihr Kniefall ist wohl eher die Vorstufe zum Kriechen. Das ist der eklatante Unterschied.

Wer die Konsequenzen seines Tun und Handelns nicht mehr selbst in den Griff bekommt, hat versagt. Der Kanzlerin sind ihre Entscheidungen aus den letzten Monaten auf die Füße gefallen. Ohne fremde Hilfe bekommt sie und ihre Dilettantengruppe, die sich Bundesregierung nennt, die Lage nicht mehr in den Griff. Die gröbsten Fehler ihrer Flüchtlingspolitik haben die Österreicher und einige Balkanstaaten für sie gelöst, jetzt versucht sie ihr Versagen noch mit dem schmutzigen Türkei-Deal zu kaschieren. Was kommt als Nächstes?

Doch vergessen wir eines nicht: Bundeskanzlerin Merkel ist demokratisch in ihr Amt gewählt. In einer funktionierenden Demokratie sollte es auch möglich sein, den umgekehrten Weg zu bestreiten, nämlich einen Regierungschef wieder aus dem Amt zu jagen. Dazu bedarf es u.a. eines wichtigen Instruments, welches eine Demokratie von einer Diktatur unterscheidet: einer intakten und handlungsfähigen Opposition. Dieses Instrument hat die SPD mit dem Eintritt in die Große Koalition außer Kraft gesetzt. Opposition existiert bei uns in Deutschland nur noch marginal. Ein paar Grüne und ein paar Linke besetzen diesen Platz. Doch wenn sich ein Anton Hofreiter und eine Katja Kipping empören, mutet das eher wie Kasperletheater an. Schon zahlenmäßig können die beiden Oppositionsparteien wenig ausrichten. Was tut die SPD? Die SPD beklagt jämmerlich schwindende Wählergunst, letztendlich bejammert die Partei ihre Bedeutungslosigkeit. Gestern, als die Entscheidung zur Ermächtigung zur Strafverfolgung von Jan Böhmermann verkündet wurde, schiebt die SPD gleich hinterher, dass sie das nicht gut findet aber daran die GroKo nicht zerbrechen lassen wolle. Somit sind für die SPD sicher wieder ein paar Prozentpunkte Wählergunst weg! Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt für die Sozialdemokraten gekommen diese unsägliche Koalition platzen zu lassen und Deutschland wieder zu etwas mehr Demokratie zu verhelfen, nämlich wieder eine funktionierende Opposition zu bilden. Doch die Machtgeilheit von Gabriel und seinen Vasallen lässt dies offensichtlich nicht zu. Es wäre sogar geradezu ihre Pflicht den Merkel-Spuk zu beenden, bevor noch Schlimmeres sich Bahn bricht. Wenn ich mir Merkel und ihren Aktionismus anschaue behaupte ich: da ist noch Luft nach oben, die Frau kann noch schlimmer!

Und das Volk? Es schaut zu!

Einer Person zolle ich in dieser Staatskrise meinen höchsten Respekt: Jan Böhmermann. Er hat es wie kein anderer geschafft dieser Bundesregierung die Maske herunterzureißen und eine böse Fratze zum Vorschein kommen zu lassen. Ob das von ihm geplant und kalkuliert war oder sein Fernsehbeitrag einfach eine große Eigendynamik entwickelt hat, sei dahingestellt. Doch eines ist für mich sicher: der Mann weiß was er tut. Plumpe Schmähkritik war mit Sicherheit nicht seine Absicht, denn dazu war sein Gedicht in einen zu wohlüberlegten Kontext gestellt. Auch wenn dieser Umstand von Politik und Medien jetzt nur zu gerne unterschlagen wird.

Wir brauchen in Deutschland mehr Böhmermänner!   

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Kommentar von Wolfgang Weuster |

Jedem Satz, jedem Wort aus diesem Beitrag muß man uneingeschränkt zustimmen!
Erschreckend aber leider Realität ist die Aussage "Und das Volk? Es schaut zu!"
Die stumpfsinnige Masse Mensch, die der unerträglich grauenhaften, täglich stattfindenden Tierquälerei in den Massentierhaltungsanlagen, auf Tiertransporten und in den Tötungsfabriken völlig gleichgültig zuschaut, die das mörderische Treiben der sog. Jäger und Fischer ebenso akzeptiert, wie das verabscheuungswürdige betäubungslose Schächten aus religiösen Gründen und die das Tier als reine Verfügungsmasse des Menschen betrachtet, das auch zur Befriedigung menschlicher Hochleistungsansprüche im Sport als "Sportgerät" mißbraucht werden kann und darf, dieser stupiden Menschenmasse ist alles egal. An dieser Menschenmasse werden wir und die meisten Mitgeschöpfe zugrunde gehen!