Der langsame Untergang der Freiheit

von Dr. Gunter Bleibohm (Kommentare: 1)

Ausgangslage

Das Ziel allen staatlichen Handelns ist nicht die Wohlfahrt seiner Bürger. Dies ist Vorwand und allenfalls Nebenbedingung. Das Ziel staatlichen Handelns ist der Machterhalt der herrschenden Strukturen und deren Nutzenmaximierung. Bevölkerung und Einzelindividuum sind lediglich nutzbare und benutzbare Objekte zur Zielerreichung.

Die herrschenden Machtstrukturen der Parteien verkörpern primär die Regierungsparteien mit ihren tiefen und weitverzweigten Verästelungen in sämtliche entscheidungsrelevanten staatlichen Organisationseinheiten, wie beispielsweise Behörden, Polizei, Justiz, Geheimdienst sowie besonders in das Militär. Das herrschende Recht ist immer das Recht der Herrschenden. Vor dem Spiegel der Geschichte ist es aber oftmals das größte Unrecht gewesen.

Desweiteren laufen die Fäden unübersehbar, aber trotzdem subtil, in externe Organisationsstrukturen der Wirtschaft, der Kirchen und der Medien, die meist zielsynchron, da abhängig, zu den Regierungsparteien agieren.

Allen beschriebenen Bereichen ist gemeinsam, dass sie versuchen– wenn auch aus unterschiedlichen Motivlagen heraus - die Masse der Bevölkerung nach einer gemeinsamen Handlungsmaxime zu steuern, deren Optimum wie folgt lautet: Wir müssen die Menschen so lenken, dass sie freiwillig und unbewusst das wollen, was sie zu unserer Zielerreichung tun sollen.

Es bestehen zwei grundsätzliche Möglichkeiten, die Maxime umzusetzen. Zum einen, überwiegend in der Wirtschaft eingesetzt, durch sehr häufig wiederholende suggestive Werbung, die ein bestimmtes Lebensgefühl oder eine Gruppenzugehörigkeit bei Kauf eines bestimmten Produktes versprechen.

Die zweite Methode ist die Erzeugung einer diffusen Unsicherheit bis hin zur Angst, wenn der Betroffene eine Handlung unterlässt. Dieser Weg ist die Standardmethode der monotheistischen Religionen, die seit Jahrhunderten mit Jenseitsversprechen und Jenseitsangst die Menschen „gläubig“ machen.

Zahlreiche Mischformen dieser zwei Methoden existieren sowohl in der Wirtschaft als auch, von den Medien forciert, in den Religionsgemeinschaften. Beide Methoden in voller Konsequenz und Stringenz können allerdings nur staatliche Institutionen einsetzen – was sie auch mit größter Zielstrebigkeit tun.

 

Steuerungsobjekt Bevölkerung

Ausgewählte Gesichtspunkte aus wirtschaftlicher Sicht

Der schnellste Weg, den Menschen die Freiheit zu nehmen, sie in gewünschte Richtungen zu lenken, ist die Vermassung – es ist der nachhaltigste Weg! Dieser Weg wird weltweit mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit beschritten.

Zur Verdeutlichung: Im Jahr 1950 belief sich die Weltbevölkerung auf ca. 2,5 Milliarden Menschen, im Jahr 2016 – also kürzer als eine durchschnittliche menschliche Lebensspanne - nähert sich die Zahl bereits der Größe von 7,5 Milliarden Köpfen. Eine Verdreifachung in knapp 70 Jahren und das Bevölkerungswachstum setzt sich ungebremst weiter fort!

Das wirtschaftliche Potential, das sich hinter diesen deprimierenden Zahlen verbirgt, ist hingegen enorm. Zahlreichen global agierenden Unternehmen ist es inzwischen gelungen, das Verlangen nach ihren Produkten weltweit in das Wollen der Menschen einzupflanzen, mit der Folge, dass globale Abhängigkeitsstrukturen bestehen, die auch für einzelne Länderregierungen ihre Beherrschbarkeit verloren haben.

Ist das Individuum in der Masse einem Großsystem wie beispielsweise einer Telefongesellschaft, einer Versicherung, einer Bank usw. beigetreten oder benutzt die nahezu unerschöpflichen Angebote eines Internetkonzerns, dann ist diese Entscheidung seine letzte Handlung in selbstbestimmter Autonomie, solange es Mitglied dieses Systemkomplexes ist.

Diese Großsysteme degradieren den Anwender vom handelnden Subjekt zum akzeptierenden Objekt. Der Einfluss des Benutzers auf das System geht gegen Null, er ist ausgeliefert, er hat Handlungsfreiheit verloren, er hat die Entscheidungen des Systems im Grundsätzlichen hinzunehmen.

Je komplexer und umfangreicher die Massenwelt des Individuums wird, desto mehr ist es in derartige Systeme eingebunden und von ihnen abhängig. Seine Entscheidungen sind nicht mehr selbstbestimmt, sondern systemkonform und der einstmals freie Mensch ist zu einem verwalteten und unbedeutenden Partikel der Systemlandschaft mutiert. Aber er merkt es nicht, er fühlt es nicht, er hat keine Sensibilität für die Gefahr. Im Gegenteil. Freudig preist er die Errungenschaften der modernen Welt, möchte nicht darauf verzichten, kann ohne Abhängigkeit nicht leben und ist gar für die Sklavenkette dankbar, die ihm kontinuierlich kürzer geschlossen wird. Denn sie bietet ihm größten Schutz, nämlich Schutz vor sich selbst, wäre er doch sonst auf die Jämmerlichkeit seines leeren Wesens und bedeutungslosen Daseins zurückgeworfen und er würde in der Welt stehen, wie der Nackte im Schneesturm. Aber wie erbärmlich muss ein Wesen nur sein, das freiwillig Freiheit gegen Sklaverei tauscht? Tiere muss man zur Gefangenschaft zwingen, nur der Mensch geht freiwillig in den Kerker der Abhängigkeit.

Zur Charakterisierung des neuen Typus des Menschen in der Massengesellschaft kommt ein weiterer entscheidender Punkt hinzu.

Die Masse ist das neue Ich des Massenmenschen. Sein individuelles Ich hat er aus seiner persönlichen Existenz herausverlagert und in ein allgemeines, aber anonymes Wollen, Handeln, Begehren und Wünschen transformiert. Insbesondere dienen als Kompass für die neue Ich-Positionierung die Konsumgewohnheiten und Denkweisen des aktuellen Zeitgeistes. Die subjektive, aber originäre Empfindungs- und Gedankenwelt des Individuums hat der Massenmensch durch die schwammig-wolkenhafte Realität des kollektiven Ichs ersetzt. Seine individuell-subjektive Persönlichkeit wurde durch ein allgemeines Massen-Ich verdrängt. Der Massen-Mensch hat sich in der Lebensauffassung von seinem individuellen Sein hin zu einem kollektiven Seinsverständnis verändert, d.h. er ist von einem eigenständigen personalen Subjekt zum unbedeutenden Masseobjekt mutiert. Durch eigenes Verschulden hat er damit seine geistige Freiheit verspielt.

Unbewusst wurde sein Wollen zum Nutzen des Anbieters manipulativ in freiwilliges systemkonformes Agieren gelenkt. Sein Wollen deckt sich nun mit den wirtschaftlichen Zielen und den Zielvorstellungen des Großkonzerns. Der Anbieter wird für ihn fast Lebensbestandteil.

 

Ausgewählte Gesichtspunkte aus religiöser Sicht

Eine tragende Säule im Staatsgefüge sind Religionsgemeinschaften und eine wachsende Zahl esoterischer Splittergruppen. Jede Gruppe verkündet mit tiefster Inbrunst im Besitz der absoluten Wahrheitserkenntnis allen Seins zu sein, so dass auf der irrationalen Glaubensebene der Menschenmassen ein unüberschaubares Konglomerat von Gedankenmanipulateuren und Gehinwäschern zu finden ist.

Ein absinkendes allgemeines Bildungsniveau der weltweiten  Menschenmassen – nicht zu verwechseln mit dem exponentiell ansteigenden Einzelwissen durch Technik und Wissenschaft – führt dazu, dass geistige Sinngebung über die gewöhnlichen Existenzbedürfnisse hinaus, zunehmend bei Jenseitsversprechen jedweder Art gesucht werden. Johann Most, ehemaliger Reichstagsabgeordneter in Berlin, stellt in seiner „Gottespest“ die hieraus resultierende Verbindung von Kirche und Staat heraus:

„Je mehr der Mensch an Religion hängt, desto mehr glaubt er. Je mehr er glaubt, desto weniger weiß er. Je weniger er weiß, desto dümmer ist er. Je dümmer er ist, desto leichter kann er regiert werden! – Dieser Gedankengang war den Tyrannen aller Länder und Zeiten geläufig, daher standen sie auch stets mit den Pfaffen im Bunde.“

Überwiegend analphabetische Menschenmassen, per definitionem dem Wissen und der Rationalität weniger zugeneigt als irrealen Glaubenssätzen, die nicht hinterfragt werden müssen oder gar hinterfragt werden dürfen, kann der Staat somit indirekt über die klerikale Zwischenebene steuern. Beide Systeme arbeiten in der Führung synergistisch zusammen. Der Gottesstaat ist dabei das Idealbild dieses Synergismus.

Subtiler verläuft das gemeinsame Agieren von Staat und Kirchen hingegen in aufgeklärten Gesellschaften, wobei die Steuerungsmechanismen sich im Laufe der Jahrhunderte und parallel zu Aufklärung verfeinert haben, nichtsdestotrotz mit Jenseitsangst und Jenseitshoffnung den Gläubigen in die gewünschte Richtung zielorientiert führen.  Aber: „Ob es den Metaphysikern und religiösen Idealisten, Philosophen, Politikern und Dichtern gefällt oder nicht: Die Gottesidee enthält die Abdankung der menschlichen Vernunft und Gerechtigkeit an sich, sie ist die entschiedenste Verneinung der menschlichen Freiheit und führt notwendigerweise zur Versklavung der Menschen in Theorie und Praxis.“

Diese Worte von Michael Bakunin werden täglich in ihrer Richtigkeit durch die Schrecken zahlloser Religionskriege bestätigt. Religion ist das Exempel für die Umsetzung von Sollen durch „freiwilliges“ Wollen mit den Mitteln einer diffusen Unsicherheit und Angsterzeugung im Individuum. Karl Marx fügt  in seiner „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ deshalb hinzu: „Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.“ und beginnt seinen Text mit den Worten:“Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.“ Sic est!

 

Ausgewählte Gesichtspunkte aus politischer Sicht

Nach der Diktatur kam - Deutschland als Beispiel - die Demokratie. Der Demokratie folgte sehr schnell die demokratische Oligarchie, gekennzeichnet durch zunehmende Macht und wachsenden Einfluss von Interessengruppen wie Kirchen, Verbände verschiedenster Art, Medien und Wirtschaftsunternehmen.

Die Regierungen wurden teilweise Marionetten dieser Institutionen, die gewählten Vertreter wurden die bezahlten Akteure beschriebener Systemkomponenten. Lobbyisten beeinflussen Gesetze, Politiker nehmen ihr Regierungsamt als Sprungbrett, um in der Wirtschaft einen lukrativen Posten zu erlangen.

Die sich zunehmend etablierende demokratische Oligarchie führte schnell über die mehr und mehr abnehmende Einflussmöglichkeit des Individuums zu seiner Entmündigung und Bedeutungslosigkeit.

Mit Geld, Macht und Einfluss wurde das Recht durch diese Systemteile oftmals käuflich, große Institutionen wurden für das Individuum nahezu unangreifbar. Die Durchsetzung von Interessen wurde eine Funktion der Geldmittel, so dass die demokratische Oligarchie sich in eine „demokratisch-bürokratische Diktatur“ wandelte und weiter wandeln wird. Der Kreis hat sich unter dem Deckmantel des Wohlstandes geschlossen!

Ein weiterer Gesichtspunkt kommt hinzu.

„Das allgemeine Stimmrecht gab der Masse nicht das Recht zu entscheiden, sondern die Entscheidung der einen oder anderen Elite gutzuheißen“, schreibt Ortega y Gasset und die Masse wird immer jemanden wählen, unausweichlich, der ihr ähnlich scheint, sie wählt immer den Schauspieler, der ihre Bauernposse am vortrefflichsten aufführt, jemanden, mit dem sie sich identifiziert, identifizieren kann. Und hier trifft der ahnungslose, gutgläubige Bürger auf einen veränderten Typ des Politikers.

Eine neuartige Spezies der Selbstversorger hat die politische Evolution hervorgebracht. Es ist die Spezies des Parteifunktionärs jeglicher Couleur, der mit diametralem Auseinanderfallen von Rede und Tat lebt.

Seine primäre Handlung ist der Aufbau einer Illusion, die ihrer Außenwelt vorgaukelt, er habe Interesse, ja sogar Empathie, für die Belange der Mitmenschen. Dies ist die Voraussetzung, dass er sich über das Mittel der Wahltäuschung ins gelobte Schlaraffenland der Parteienoligarchie aufmachen kann. Dort angekommen, baut er hinter ihrer schützenden Illusionsmauer und verborgen im Kokon der Parteibeschlüsse an seinem eigentlichen Ziel – er wird Selbstversorger. Seine Aufgabe besteht ab sofort darin, sein Illusionsgebäude vor dem Einsturz zu bewahren, während hinter der Schutzmauer eine Profitmaximierung durch Ämterhäufung erfolgt, die ihn künftig als Fettauge auf der mageren Suppe des Volkes schwimmen lässt.

Es ist diese Unterspezies der menschlichen Rasse, welche die Demokratie zu einer Lehre vom Absurden, vom Falschen, zu einer Lehre der allgemeinen staatlichen Lüge verkümmern lässt, es ist gerade diese Spezies, die eine Vermassung und Entrechtung des Bürgers zur leichteren Regierbarkeit anstrebt, es ist die Spezies, welcher ein freier Geist als Todfeind gilt.

 

Das staatliche Steuerungssystem

Um Vorgehensweise und Systematik politischer Steuerungssysteme grundlegend zu verdeutlichen, sei ein kleiner Exkurs erlaubt. Michel Foucault beschreibt in seinem Werk “Überwachen und Strafen – Die Geburt des Gefängnisses“ die perfide Methode des Panopticons, dessen Erfinder gegen Ende des 18. Jahrhunderts Jeremy Bentham war.

„Sein Prinzip ist bekannt: an der Peripherie ein ringförmiges Gebäude; in der Mitte ein Turm, der von breiten Fenstern durchbrochen ist, welche sich nach der Innenseite des Ringes öffnen; das Ringgebäude ist in Zellen unterteilt, von denen jede durch die gesamte Tiefe des Gebäudes reicht; sie haben jeweils zwei Fenster, eines nach innen, das auf die Fenster des Turms gerichtet ist, und eines nach außen, so dass die Zelle auf beiden Seiten von Licht durchdrungen wird. Es genügt demnach, einen Aufseher im Turm aufzustellen und in jeder Zelle einen Irren, einen Kranken, einen Sträfling, einen Arbeiter oder einen Schüler unterzubringen. Vor dem Gegenlicht lassen sich vom Turm aus die kleinen Gefangenensilhouetten in den Zellen des Ringes genau ausnehmen. Jeder Käfig ist ein kleines Theater, in dem jeder Akteur allein ist, vollkommen individualisiert und ständig sichtbar. Die panoptische Anlage schafft Raumeinheiten, die es ermöglichen, ohne Unterlass zu sehen und zugleich zu erkennen. Das Prinzip des Kerkers wird umgekehrt, genauer gesagt: von seinen drei Funktionen - einsperren, verdunkeln und verbergen - wird nur die erste aufrechterhalten, die beiden anderen fallen weg. Das volle Licht und der Blick des Aufsehers erfassen besser als das Dunkel, das auch schützte. Die Sichtbarkeit ist eine Falle.

Daraus ergibt sich die Hauptwirkung des Panopticon: die Schaffung eines bewussten und permanenten Sichtbarkeitszustandes beim Gefangenen, der das automatische Funktionieren der Macht sicherstellt. Die Wirkung der Überwachung ist permanent, auch wenn ihre Durchführung sporadisch ist; die Perfektion der Macht vermag ihre tatsächliche Ausübung überflüssig zu machen; der architektonische Apparat ist eine Maschine, die ein Machtverhältnis schaffen und aufrechterhalten kann, welches vom Machtausübenden unabhängig ist; die Häftlinge sind Gefangene einer Machtsituation, die sie selber stützen. …

Zu diesem Zweck hat Bentham das Prinzip aufgestellt, dass die Macht sichtbar, aber uneinsehbar sein muss; sichtbar, indem der Häftling ständig die hohe Silhouette des Turms vor Augen hat, von dem aus er bespäht wird; uneinsehbar, sofern der Häftling niemals wissen darf, ob er gerade überwacht wird; aber er muss sicher sein, dass er jederzeit überwacht werden kann. ….

Diese Anlage ist deswegen so bedeutend, weil sie die Macht automatisiert und entindividualisiert.“

Überträgt man Methoden und Vorgehensweisen von Benthams Panopticon in die heutige Zeit, auf die heutigen technischen Möglichkeiten, mutiert die orwellsche Gedanken- und Sprachkontrolle selbst in „demokratischen“ Verhältnissen von einer einstmals unvorstellbaren Utopie zur freiheitsbeschränkenden Realität.

Die gewünschte Disziplinierung, Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung, von Foucault treffend als Disziplinargesellschaft bezeichnet, verfestigt sich zunehmend durch die Methoden der elektronischen Überwachung.

Das Individuum hinterlässt inzwischen unbemerkt und unausweichlich eine elektronische Spur, die sein Tun und Handeln nahezu lückenlos aufzeichnet, einem elektronischen Fingerabdruck vergleichbar. Von der Benutzung des Telefons bis zum Einsatz der Kreditkarte, von Surfen im Internet bis zur Ortung seines Navigationssystems ist der gläserne Mensch elektronisch observiert, registriert und dokumentiert. Und wie in Benthams Panopticon sieht und spürt er die Beobachtung nicht.

Die Ermittlung und Speicherung des Datenprofils, heute noch durch erheblichen persönlichen Aufwand durch das Individuum vermeidbar, würde aber flächendeckend und unvermeidbar, wenn beispielsweise eines Tages Bargeld zugunsten von Kartenzahlungen entfällt und Kartenverwendung ein gesetzliches Muss wird.

Der Effekt zur Überwachung wäre vergleichbar mit dem – heute noch - utopischen Gedanken, jedem Säugling sofort nach seiner Geburt einen Chip zu implantieren, der eine allzeit ortbare Identifikationsnummer enthält. Speichert man hierzu noch das Genprofil des Neubürgers, ist die absolute Überwachung, Kontrolle und Observierung der Menschheit gelungen. Die Steuerung der Massen per Computer könnte Wirklichkeit werden und der Übergang vom freien Individuum zum steuerbaren Automatenmensch wäre gelungen.

Aber der Staat gibt sich mit lückenloser Datenerfassung seiner Bürger nicht zufrieden, denn auch er handelt nach dem Postulat:  Wir müssen die Menschen so lenken, dass sie freiwillig und unbewusst das wollen, was sie zu unserer Zielerreichung tun sollen.

Denken, Sprechen und Schreiben muss somit synchron zur staatlich gewünschten Meinungs- und Denkdoktrin  gesteuert und gelenkt werden.

„In gewisser Weise ließen sich diejenigen am leichtesten von der Parteidoktrin überzeugen, die ganz außerstande waren, sie zu verstehen. Diese Menschen konnte man leicht dazu bringen, die offenkundigsten Vergewaltigungen der Wirklichkeit hinzunehmen, da sie nie ganz die Ungeheuerlichkeit des von ihnen Geforderten begriffen und überhaupt nicht genügend an politischen Fragen interessiert waren, um zu merken, was gespielt wurde. Dank ihrer Unfähigkeit zu begreifen, blieben sie ganz unbeschadet.“ vermerkte George Orwell in seinem Meisterwerk „1984“ und fährt fort „Es geht hier nicht um die Moral der Massen, deren Einstellung unwichtig ist, solange sie fest bei der Arbeit gehalten werden, sondern um die Moral der Partei selbst“.

Aber „1984“ ist inzwischen sowohl real als auch in seinen Vorhersagen Vergangenheit.  „Neusprech“ hielt man einstmals für derart utopisch, dass nur ein müdes Lächeln im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts um die Lippen der damaligen Denkeliten spielte. Sie irrten fürchterlich. „Neusprech“ wurde eingeführt, das reale Neusprech übertrifft Orwells Phantasie um Potenzen. Aber die intellektuelle Versklavung der Menschheit war damit nicht beendet, sie ging und geht weiter, tiefer, radikaler, vernichtender. Nach „Neusprech“ führte man „Neudenk“ ein, die politisch korrekte Denk- und Sprachform als Wirklichkeitskontrolle. Es ist die endgültige, die finale Gehirnwäsche der Menschheit, seine Degradierung auf Roboterniveau. „Neudenk“ tönt aus allen Lautsprechern, „Neudenk“ atmet aus jeder Zeitung, jeder Nachricht, jeder Partei, „Neudenk“ ist die Fahne, unter der sich die entwurzelten, verdummten Apparate-Massen versammeln, die intellektuellen Krüppel, die den staatlich beaufsichtigten Irrsinn für Wohltat halten und nicht erkennen, dass sie an dem Seil ihrer Naivität in Kürze aufgehängt werden.

Ihre Geistesfreiheit haben sie dann verloren, für immer. Sie spüren nicht den Abgrund, der sich vor ihren Füßen auftut, erkennen nicht, dass diese Lenkung durch ganz spezielle Gesetze und Vorgaben geschieht, die auf den ersten Blick zum Nutzen des Bürgers sind, wie diverse Gesetze zur Terrorabwehr, die aber, ist der Nutzengrund irgendwann entfallen, beibehalten werden und nur noch zur Freiheitseinschränkung herangezogen werden. Als Beispiel möge der Werdegang zur Aufhebung des Bankgeheimnisses dienen.

Derartige Gesetze sind Täuschungs- oder Simulationsgesetze, Gesetze, deren eigentliche Absicht hinter einem Vorwand zunächst verborgen bleibt.

Die Disziplinierung der Bevölkerung erreicht organisatorisch aber erst dann ihr Optimum, wenn die Bürger sich gegenseitig kontrollieren, maßregeln und überwachen, wenn auch die Bürger zur Gedankenpolizei werden. Soziale Netzwerke und allgegenwärtige Internetinformationen vollziehen die ersten Schritte in diese Richtung, werden als moderne Pranger und soziale Ausgrenzungsmechanismen eingesetzt und nur dann empört gebrandmarkt, wenn die Aussagen konträr zur Staatsdoktrin verlaufen.

Es wird ein Diffamierungstypus mit Gesetzesunterstützung immer stärker staatlich positioniert, ein linientreuer Beobachtungsbürger, der durch Diffamierung und Ausgrenzung Andersdenkender das Wohlwollen der Regierungskaste und der Staatsmedien erfährt. Es ist der Menschenschlag,  auf dessen kriecherische Anpassungsmentalität alle totalitären Regime zurückgriffen. Diese Menschen waren und sind die Totengräber von Redlichkeit und Freiheit.

Beliebtes Vehikel des Diffamierungsbürgers sind exemplarisch alle Anweisungen und Gesetze im entferntesten Umkreis einer potentiellen Diskriminierung.

 

Fazit:

Durch die extensive Datenerfassung, durch zahlreiche Simulationsgesetze und  verbreitete Diffamierungsmentalität ist die Herrschaft der „demokratisch-bürokratischen Diktatur“ inzwischen stabil und gefestigt, so dass diese Kaste  befriedigt konstatieren kann:

Sie wollen das, was sie sollen und wir wollen, dass sie es weiterhin zu unserem Nutzen tun sollen.

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Kommentar von our enemy the state |

Vielen Dank für diesen treffenden und hervorragend geschriebenen Artikel. Dass Bürger sich gegenseitig kontrollieren, maßregeln und überwachen sollen und zur Gedankenpolizei geformt werden, geht aus diesem schier unglaublichen Aufruf der Ministerpräsidentin von NRW zur Denunziation hervor:

https://www.youtube.com/watch?v=HpUrcq0FTGQ

Das System macht sich nicht einmal mehr eine schamhafte Mühe, die Durchsetzung von Neusprech und Neudenk zu kamouflieren. Der Faschismus kommt in der Verkleidung des Antifaschismus, hat ein kundiger Mensch einmal gesagt. Die Verkleidung wird gerade fallen gelassen.