Brief an einen Bischof

von Sabine Becker (Kommentare: 3)

Sehr geehrter Herr Dr. Overbeck,

kürzlich erhoben Sie während einer Messe in Bochum Ihren mahnenden Zeigefinger vor den Deutschen:

„Deutschland und Europa müssen sich auf eine ganz neue Zeit einstellen. Unser Wohlstand und die Weise, in Frieden zu leben, werden sich ändern. So wie die Flüchtlinge ihre Lebensgewohnheiten ändern müssen, werden auch wir es tun müssen.“ – Das Motto des Caritas-Sonntages bedeute „Öffnung und Gastfreundschaft zu leben, keine Angst zu haben, bescheidener zu werden, Abstand zu nehmen vom gewohnten Wohlstand und zu einer Gesellschaft des Teilens zu werden.“

Quelle: http://www.bistum-essen.de/start/news-detailansicht/artikel/ruhrbischof-wir-werden-unsere-lebensgewohnheit-aendern-muessen.html

Sie sprechen von „unserem Wohlstand“. Welchen Wohlstand meinen Sie? Vielleicht diesen hier:

Aus dem Armutsbericht 2015: „Die Armut in Deutschland hat mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent ein neues Rekordhoch erreicht und umfasst rund 12,5 Millionen Menschen. (…)Der Anstieg der Armut ist fast flächendeckend. In 13 der 16 Bundesländer hat die Armut zugenommen. (…)Betrug der Abstand zwischen der am wenigsten und der am meisten von Armut betroffenen Region 2006 noch 17,8 Prozentpunkte, sind es 2013 bereits 24,8 Prozentpunkte.(…) Erwerbslose und Alleinerziehende sind die hervorstechenden  Risikogruppen, wenn es um Armut geht. Über 40 Prozent der Alleinerziehenden und fast 60 Prozent der Erwerbslosen in Deutschland sind arm. Und zwar mit einer seit 2006 ansteigenden Tendenz.(…) Die Kinderarmut bleibt in Deutschland weiterhin auf sehr hohem Niveau. Die Armutsquote der Minderjährigen ist von 2012 auf 2013 gleich um 0,7 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent gestiegen und bekleidet damit den höchsten Wert seit 2006. (…)Bedrohlich zugenommen hat in den letzten Jahren die Altersarmut, insbesondere unter Rentnerinnen und Rentnern. Deren Armutsquote ist mit 15,2 Prozent zwar noch unter dem Durchschnitt, ist jedoch seit 2006 überproportional und zwar viermal so stark gewachsen. Keine andere Bevölkerungsgruppe zeigt eine rasantere Armutsentwicklung.“ (Quelle: http://www.der-paritaetische.de/armutsbericht/die-zerklueftete-republik/)

Oder sprechen Sie von sich selbst, vom Wohlstand der deutschen Bischöfe, vom Wohlstand der katholischen Kirche?

„Immer mehr deutsche Bistümer legen Rechenschaft über ihr Vermögen ab. Die 27 Diözesen in Deutschland besitzen demnach offenbar mehrere Milliarden Euro. Dabei handelt es sich um Barvermögen, aber zu großen Teilen auch um Finanzanlagen, Rückstellungen etwa für Priesterpensionen sowie Immobilienbesitz.(…) Zum ersten Mal sollen auch geheime Schattenhaushalte wie die Bischöflichen Stühle oder Versorgungswerke offengelegt werden.“ (4. Januar 2015, 13:22 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa)

Wann endlich machen Sie und sämtliche Diözesen, so wunderbar ausgestattet, Ihre eigenen Forderungen wahr und „lernen, offen zu sein“ für die Heerscharen der Zuziehenden, die das Volk draußen kaum noch unterbringen kann?

Wann drehen Sie Ihren Wohlstand (siehe oben) herunter, den Sie nicht einmal selbst erarbeiten müssen wie unsereins? Sie nehmen von allen Steuerzahlern, auch noch in einzigartiger Weise vom Staat zwangsweise für Sie mit eingezogen, egal ob von kirchlich Organisierten oder von solchen, die sich von den Kirchen distanzieren und ausgetreten oder gar nicht getauft sind, und die sie in bekannter Manier auch noch kräftig diffamieren.

Warum nehmen ausgerechnet Sie nicht flächendeckend Flüchtlinge in Ihre ohnehin mit Ausnahme von Weihnachten und Ostern leeren, doch gut beheizbaren Kirchen auf? So viele Klöster stehen ganz oder teilweise leer, wie vielen armen Flüchtlingen könnte man darin eine Zuflucht bieten! Allein in Pfarrhäusern und vor allem in den herrlichen Bischofsresidenzen so viel Platz! Doch nichts geschieht.

Warum bleibt ausgerechnet die katholische Kirche eine Insel, wo doch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Anfang September lautstark gefordert hat, Deutschland dürfe „keine Insel des Wohlstands werden“? Wie darf man das verstehen? Gehört die katholische Kirche am Ende, anders als der Islam, gar nicht mehr zu Deutschland?

Zeigen Sie, dass Sie selbst „nicht für Abschottung und Selbstbehauptung stehen, sondern Räume der Freundschaft für Menschen auf der Suche nach Sicherheit, Verlässlichkeit, Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand schaffen wollen und werden“. Lassen Sie doch endlich Ihren hehren Worten Tatenfolgen.

Das wäre auch für Ihren Ruf nützlich, da die katholische Kirche und gerade die Bischöfe bekanntermaßen für Prunk, Verschwendung und vor allem für Vertuschung stehen, und das nicht erst, seit die Machenschaften eines Tebartz-van Elst an die Öffentlichkeit gelangt sind oder seit die Welt erschüttert erfahren musste, in welch unfassbarem Ausmaß der sexuelle Missbrauch von Kindern die katholische Kirche begleitet.

Doch Sie gehen wieder nur in belehrendem Ton andere an und fordern, wozu Sie selbst nicht in der Lage sind. Die Leute laufen Ihnen scharenweise davon: http://www.kirchenaustritt.de/statistik (Quellen: Kirchenamt der EKD, Deutsche Bischofskonferenz).
Die Konfessionsfreien haben Sie zahlenmäßig bereits überrundet, Tendenz steigend. Ihre katholischen Anhänger belaufen sich inzwischen auf unter 30 Prozent. Doch Sie treten auf, als wären Sie Vertreter einer Staatskirche. Was zunimmt, ist der Einfluss des Islam, und wie der die katholische Kirche als Teil der Ungläubigen einschätzt, wissen auch Sie.

Auch wenn Sie der Meinung sind, die inzwischen unkontrolliert nach Deutschland strömenden Massen, unter denen sich zahlreiche radikale Moslems befinden und der ISIS etc. angehören und ein erklärtes, überall nachzulesendes Ziel verfolgen, kämen alle „von Gott her“ und sie würden uns „beschenken“ (auf das sinnentleerte Wortgeschwurbel an sich gehe ich nicht ein), werden auch und vermutlich gerade Sie und Ihresgleichen vom hitzigen Eifer dieser Glaubensrichtung vermutlich nicht verschont bleiben. Der Islam ist, anders als die katholische Kirche, noch durch keine Zeit der Aufklärung gegangen, seine „heilige Inquisition“ wütet noch und blüht auf, wie man allenthalben sieht.

Das Hauptproblem waren, sind und bleiben die, die Menschen ausschließlich nach einer Religionszugehörigkeit einteilen und beurteilen und auf einer Hierarchie beharren, an deren Spitze sie naturgemäß selber sitzen, egal welch Mäntelchen der „Toleranz“ sie sich zeitweise umhängen aus opportunistischen Gründen.
Egal aus welchem Medium man die Informationen zieht: Es sind immer nur religiös begründete Verbrechen, Anschläge, Morde, die weltweit von einem wildgewordenen Mob ausgeführt werden, und die auch vor Deutschland nicht Halt machen.

Dass Sie mit dem Frauenhass der Muslime kein Problem haben und schweigen, oder mit der Tierfolter einer, wie könnte es anders sein, religiösbegründeten Schächtung fühlender Lebewesen, ergibt sich zwangsläufig aus der katholischen Lehre selbst.

Sie alle, die Religionsführer jeder Couleur, können erfahrungsgemäß stets auf die absichtlich dumm gehaltenen Massen bauen. Menschen, denen Bildung, Kritikfähigkeit und Selbstreflexion verwehrt bleiben, lassen sich seit jeher sehr einfach lenken und aufhetzen, denn die kräftig geschürte Angst vor Tod und „Verdammnis“ sowie die irrationalen Verheißungen eines „Jenseits“ wie auch immer haben leider Dauerwirkung auf sie.

Summa summarum: Ihre Aussagen und die Ihrer Kollegen sind eine Unverschämtheit und auch noch eine schallende Ohrfeige in das Gesicht jedes auch Sie erhaltenden Steuerzahlers. Nehmen Sie sich zurück und vermeiden Sie solche Entgleisungen.

Vielleicht wähnen Sie sich wieder einmal auf der „richtigen Seite“, das kann ich nicht beurteilen. Doch es könnte sein, dass die Rechnung der katholischen Kirche im Zuge der gegenwärtig ablaufenden Mechanismen dieses Mal doch nicht aufgeht.

Der wahre Gott schütze Sie!

Sabine Becker

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Kommentar von Wolfgang Weuster |

"Frauenhass der Muslime"
Sehr geehrte Frau Becker,
Ihrer Bezeichnung "Hass" muss ich widersprechen, da ich in den 3 mir bekannten monotheistische Religionen Islam, Christentum und Judentum zwar ein, aus heutiger Sicht, sehr antiquiertes Frauenbild aber bestimmt keinen Hass entdecken kann.
Als Atheist muß ich hier fairerweise doch meine Stimme erheben.

Kommentar von Sabine Becker |

Sehr geehrter Herr Weuster,

ich bin nicht sicher, ob Sie nur provozieren wollen oder ob Ihnen am Ende die Benachteiligung, Unterdrückung, Misshandlung und brutale Bestrafung von Frauen - bis hin zur Steinigung bei z. B. „Unzucht“ - sogar gefällt warum auch immer; es gibt so viel mehr Perverse als man meinen möchte. Die Behandlung der Frauen, wie die Scharia es vorschreibt und wie es weltweit befolgt, gelebt und gefordert wird, als „antiquiertes Frauenbild“ zu verharmlosen, in dem Sie keinen Hass auszumachen in der Lage sind, zeugt in jedem Fall von fehlendem Wissen über die Inhalte.
Hier ein Link für Sie als Einstieg: Bundeszentrale für politische Bildung, Prof. Schirmacher: Frauen unter der Scharia
http://www.bpb.de/publikationen/VWBAUH,0,Frauen_unter_der_Scharia.html

Kommentar von Wolfgang Weuster |

Sehr geehrte Frau Becker,

mit meiner Aussage wollte ich weder provozieren, noch war es meine Absicht, Schandtaten, die man im Namen von irgend einem Gott oder irgend einer Religion verüben zu können glaubt, zu bagatellisieren und zu verharmlosen. Ich wollte vielmehr auf eine, nach meiner Meinung, falsche Begrifflichkeit hinweisen.
Ihre Aussagen teile ich in vollem Umfang. Die Scharia basiert zwar auf dem Koran, der mit diesem Begriff allerdings nur einen Weg zu einer Wasserquelle beschreibt, ist aber nicht Bestandteil des Korans. Ebenso wenig, wie der christliche Hexenhammer Bestandteil der Bibel ist. Das Frauenbild in den 3 Religionen kann man als frauenverachtend, frauenfeindlich und diskriminierend bezeichnen. Im Christentum hat es seinen Ursprung in der irrwitzigen Erschaffungsgeschichte Evas (Rippe), findet seine Fortsetzung in der Apfel-Schlange- Paradiesvertreibungsstory und setzt sich, an anderen Stellen weiter fort, betrachtet man nur die verschiedenen Tötungs- und Vergewaltigungsaufforderungen, die die Bibel bereithält. Einen Hass auf Frauen vermag ich darin nicht zu erkennen, wenngleich es im Klerus der 3 Religionen und unter den Anhängern sicherlich ausgesprochene Frauenhasser gegeben haben mag oder heute noch geben kann. Allein der Begriff Hass störte mich in dem Kontext.
Einem aktiven Streiter für die Gleichberechtigung von Mann und Frau sollten Sie nicht voreilig Gefallen an derartig abscheulichen Dingen unterstellen. Dagegen wehre ich mich mit allem Nachdruck.